Angst vor Reisen

vor 5 Jahren tikey
#1
Hallo zusammenGrund für diesen Thread: Mit einem Kollegen, den ich bereits sehr lange kenne, wollte ich in diesem Jahr eine Reise antreten. Dies zudem noch mit weiteren lieben Menschen. Das Problem, welches er hat: Er traut sich nicht alleine zu verreisen. Egal, ob es eine ganze Reise ist oder nur die Anreise in ein anderes, ihm unbekanntes Land.Ich kann diese Angst nicht nachvollziehen und denke mir, dass man doch auch mal etwas neues ausprobieren sollte.Wie geht es euch bei dem Thema? Habt ihr Angst alleine zu reisen? Oder findet ihr es sogar gut?
vor 5 Jahren joona
#2
Ich würde mal sagen, es kommt aufs Alter und die Lebenserfahrung des Reisenden an. Mit frischen 18 hätte ich mich bestimmt nicht alleine aus dem Land gewagt, aber mit 20 etwa hatte ich den Dreh raus. In der Gruppe oder zu zweit zu reisen ist natürlich einfacher und entspannter, aber das Freiheitsgefühl des Solo-Reisens ist dafür umwerfend. Mit genügend Vorbereitung finde ich solche Trips ganz unbedenklich; insbesondere wenn ich am Ziel jemand Bekannten treffe.

Aber hey, Menschen empfinden gleiche Eindrücke ganz unterschiedlich.
vor 5 Jahren Kaa
#3
Es braucht etwas Überwindung, dem stimme ich zu. Ins nahe gelegene Ausland, gerade da wo ich die Sprache kenne, hab ich weniger Probleme. Das klappt dann schon irgendwie. Als ich das erste Mal alleine nach Japan bin, hatte ich durchaus etwas Bammel gemischt mit Aufregung. Klappt alles mit dem Flug? Wo zum Henker muss ich hin? Hab ich nicht was vergessen? Wo ist das Hotel hin? Gestern war der Weg doch hier richtig?


Ich kann verstehen, dass man etwas Angst hat, aber die Erfahrung danach ist es auf jeden Fall wert Und wie man sieht hab ich trotzallem den Weg Heim wieder gefunden und bin ein zweites Mal auch alleine hin und wieder zurückgekommen. Und einen Taifun hab ich gleich gratis miterlebt XD Gut... darauf hätte ich verzichten können...Edit: Mir ist noch was eingefallen. Auf die Art lernt man noch etwas anderes. Dass man in Wahrheit viel mehr kann als man denkt. Ähnlich wie wenn man einer fremden Sprache ausgesetzt - ok das ist man sowieso. Mir hat das sehr gut getan und ein paar bekannte Orte hab ich dann wieder besucht. Ein Café, das ich mochte, den Tokyotower, Sunshine City... Dinge halt die einem Vertrauen geben, weil man sie kennt und sich orientieren kann^^
vor 5 Jahren Niwashi
#4
Die Angst davor kann ich durchaus nachvollziehen. Es ist halt besonders wenn man neue, unbekannte Gefilde betritt immer ein Ausbrechen aus der eigenen Komfortzone. Wenn man dann einen Reiseplan hat mit fest gebuchten Flügen und Zügen die man erwischen muss, kann es schon recht anstrengend und ermüdend sein - und man muss selbst an alles denken. Wenn noch dazukommt, dass man die zu bereisenden Orte nicht kennt, kann viel passieren, bspw. man findet das richtige Gleis / Gate / ... nicht, oder man wird in einer unbekannten Sprache aufgefordert unbekannte Gebühren zu bezahlen und so weiter... und wenn man am ersten Abend oder so müde ist, kann es schnell passieren, dass man einen Rucksack oder ein Täschchen oder so irgendwo vergisst.

KURZUM: Man ist halt auf sich allein gestellt...Auf der anderen Seite finde ich es immer ein cooles Abenteuer alleine zu reisen. Man ist häufig gezwungen, sich von fremden helfen zu lassen, was etwas schwierig sein kann wenn man nicht so kontaktfreudig ist. So können sich aber super tolle Situationen ergeben und sogar Freunde fürs Leben gefunden werden.Auch die eigene Wahrnehmung ist ganz anders als wenn man mit Freunden unterwegs ist: Irgendwie schärfer und tiefer. Das Gefühl, das man dabei hat ist für mich unbeschreiblich. Und wenn man dann schon mal aus der Komfortzone ausgebrochen ist, neigt man vielleicht dazu Dinge zu tun, die man sonst nie tun würde, sei es mit Alkohol oder ohne.Kurztripps bis so zwei oder drei Tage, würde ich jederzeit gerne wieder mal alleine unternehmen, wobei ich aber schon am ersten Tag meine Familie vermissen würde... Ich kann jedem und jeder, der / die so etwas noch nie getan hat wärmstens empfehlen, den Schritt ins Unbekannte zu wagen! Neben den Gefühlen grossartiger Erlebnisse lernt man auch sehr viel über sich selbst und über das Leben im allgemeinen.Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass ein solcher Schuss auch mal nach hinten losgehen kann, wenn man nicht genug Reserve in verschiedener Hinsicht und / oder keinen Notfallplan zurseite hat.
vor 5 Jahren leu84
#5
@tikey

Wie ist es beim Kollegen, wenn er alleine in der Schweiz herumreist? Deutschschweiz, Tessin oder die Romandie?Ich habe keine Angst alleine zu reisen. Mein erstes grosses Abenteuer habe ich alleine unternommen und es war für mich persönlich das Beste was ich gemacht habe. Mein Vorteil ist vielleicht, da ich mich mit Geographie, Karten bzw. gut auskenne und mich orientieren kann.Wie ist es beim Kollegen, hat er die Angst auch, wenn er alleine durch den HB Zürich zu Rush Hour durchgeht?

Wann hat er Angst? In einem Land zu vereisen mit einer uns unbekannten Schrift? Versteht er Fremdsprachen?Mein Tipp. Entweder step by step in der Schweiz oder Deutschland verreisen. Weit weg in ein englischsprachiges Land verreisen oder wo die Kultur "ähnlich" ist.Ähm noch eine letzte Frage: Flugangst hat er nicht?
vor 5 Jahren tikey
#6
@leu84

Er kommt aus Deutschland und reist dort generell mit Bahn mehrmals im Jahr umher. Das ist kein Problem. Er meint, nach London traut er sich nicht, weil er ja nichts versteht und dann aufgeschmissen ist. Flugangst ist es sicherlich nicht. Eher die Angst vor dem Unbekannten und dass er dort theoretisch aufgeschmissen ist. Dabei kann er gut mit Handy umgehen, weiss was Google Translate ist usw. Heutzutage ist man doch eigentlich nirgendwo wirklich aufgeschmissen. Also Durchschlagen könnte er sich auf jeden Fall.Wie @Niwashi so schön sagt: Notfallplan und Vorbereitungen sind wichtig. Dann kann ja eignetlich nicht mehr viel schief gehen.
> @Kaa Mir ist noch was eingefallen. Auf die Art lernt man noch etwas anderes. Dass man in Wahrheit viel mehr kann als man denkt.
Das ist ein guter Punkt. Und ich kann da voll zustimmen. Die Überwindung die man machen muss, wird sich auf jeden Fall auszahlen mit Erfahrung die man macht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man mit Einheimischen ein paar Worte austauschen kann. Auch, wenn es nur an der Kasse ist.
vor 5 Jahren dark_columbia
#7
Ich kann ihn sehr gut verstehen. Ich würd mich an seiner Stelle wohl auch nicht trauen, wenn ich kein Englisch könnte.

Ich habe mir letztes Jahr sehr lange und gut überlegt, ob ich mich traue, vier Tage alleine in London Ferien zu machen. Schlussendlich hab ich mich dafür entschieden, weil ich mich in London inzwsichen recht gut auskenne und mich verständigen kann. Letzteres ist aber auch ohne Sprachbarriere nicht immer einfach, wenn man wie ich Schwierigkeiten hat, auf fremde Menschen zuzugehen. Einen schrecklich schlechten Orientierungssinn habe ich übrigens auch.

Meine konkrete Angst ist eigentlich immer, dass ich es nicht mehr zurück schaffe. Dafür kann es viele Gründe geben: Ich verliere die Orientierung und "gehe verloren" (und nein, nach dem Weg fragen ist nicht trivial). Mir werden meine Wertsachen geklaut und ich bin aufgeschmissen. Ich tue aus Versehen etwas, was in diesem Land nicht erlaubt ist und kriege Ärger mit dem Gesetzt. Ich verpasse meinen Flug/Bahn/Bus (oder er fällt aus) und ich habe kein Geld für einen neuen etc. etc.
vor 5 Jahren DrigerGatling
#8
Ich kann deinen Kollegen gut verstehen, mir ginge es da nämlich gleich; ich bin absolut feige was das alleine-verreisen angeht. Und das obwohl ich schon 32 Jahre alt bin.

Die Gründe sind absolut unterschiedlich aber meist liegt es bei mir daran dass ich absolut aufgeschmissen wäre wenn etwas schieflaufen sollte. Ich fühle mich sicherer wenn noch jemand dabei ist der mir in einer Notsituation auch helfen könnte. Es fällt mir wahnsinnig schwer Leute anzusprechen und um Hilfe zu bitten (sei das nur um nach dem Weg zu fragen etc...), mein Orientierungssinn ist auch absolut unterirdisch, ich kann extrem lange in genau die falsche richtung laufen und mir dabei absolut sicher sein ich sei richtig xD da geht es mir genau gleich wie Darki; Hinfinden ist das eine aber Zurück finde ich fast gar nicht mehr.

was noch hinzu kommt ist dass ich einfach gerne Unterhaltung bei reisen habe, dass ich schöne Dinge gleich mit jemand anderem teilen und darüber sprechen kann ^^ und sich aufteilen und jeder für sich kann man ja trotzdem auch machen.
vor 5 Jahren Kaa
#9
@dark_columbia Das Gefühl kenne ich^" Und ja Leute nach dem Weg fragen ist wirklich nicht trivial und nochmals etwas schwieriger, wenn du nicht die selbe Sprache sprichst bzw. nicht Muttersprachler bist. Am Ende führen dich ihre Beschreibungen mehr in die Irre als dein ausgedrucktes Plänlein (ohja ich hatte eines, weil hätte ja Handy ausfallen können). Noch dazu hielt ich meine Orientierung eigentlich für ganz ok... war sie doch nicht oder für Tokyo nicht fit genug. Das nagt dann auch am Selbstbewusstsein. Ich bin gefühlte fünfmal um einen Gebäudekomplex gelaufen, bevor ich dann aus Verzweiflung ein Taxi genommen habe. Für eine sehr kurze Strecke und der Chauffeur war so freundlich und hat mich bis zur Strasse begleitet und mir gezeigt wo das Hotel ist. Als ich auf dem Zimmer war, hab ich mich nicht mehr rausgetraut fürs erste. Jetzt kann ich drüber lachen, aber da dachte: Die Reise fängt ja echt super an. Ich will Heim. Jetzt!

Am nächsten Tag war ich das erste Mal im Disneyland und hab Captain Hook getroffen XD Danach hab ich mich zwar auch manchmal verirrt aber irgendwie ging es etwas leichter. Wobei meine Schifffahrt auf dem Sumida war auch suboptimal. Ich wusste nicht mehr wie ich zurückkomme, nachts, wo ich blindfisch eh nicht so super sehe. Aber ich wollte ja unbedingt Boot fahren und fand das auch super bis ich bemerkt habe dass ich nicht mehr weiterkomme. Aber auch dort hab ich irgendwie den Weg zur Bahnstation gefunden durch drei sehr nette Damen, die bemerkt haben das ich nicht wusste wohin.

Schlechte Erfahrungen lassen sich nicht vermeiden, aber ein wenig darauf vorbereiten kann man sich. Eben mit Plan ausdrucken, Hotelnamen oder Visitenkarte davon bei sich haben, Wichtige Dinge wie Pass direkt am Körper tragen, etc.
vor 5 Jahren dark_columbia
#10
> was noch hinzu kommt ist dass ich einfach gerne Unterhaltung bei reisen habe, dass ich schöne Dinge gleich mit jemand anderem teilen und darüber sprechen kann ^^ und sich aufteilen und jeder für sich kann man ja trotzdem auch machen.
Stimmt, das ist ein wichtiger Punkt, den ich vergessen hatte. Die tollen Erlebnisse werden doch dadurch erst richtig wertvoll, dass man sie mit jemandem teilen kann 🙂
> Am Ende führen dich ihre Beschreibungen mehr in die Irre als dein ausgedrucktes Plänlein (ohja ich hatte eines, weil hätte ja Handy ausfallen können)
Willkommen in meiner Welt. Ich habe immer nur ausgdruckte Plänlein ohne Smartphone XD Aber ja, die können nicht ausfallen/abstürzen und sind daher eigentlich gar nicht so schlecht.
vor 5 Jahren Sky_Raven
#11
aktuell würd ich aber auch nich reisen... das mit dem crona ist schon echt häftig.
vor 5 Jahren BentoBox
#12
Ich weiß nicht, obs noch aktuell ist. Aber mein Vorschlag wäre, dass du oder ein anderer Freund ihn mal durch eine Reise coachst. Vom Brainstorming über die Detailplanung bis zur "Hotline" wenn er dann mal wirklich unterwegs ist.Ich fände es auch generell essenziell, dass er ordentlich Englisch lernt. Nicht nur für's Reisen, sondern zum Anschluss an die internationale Community insgesamt. In einer Wissensgesellschaft ist man stark im Nachteil, wenn einem nur ein kleiner Teil der globalen Resourcen zur Verfügung stehen.Persönlich reise ich am liebsten alleine. Dadurch bin ich nicht von anderen abhängig und kann die Reise exakt auf meine Bedürfnisse abstimmen. Für viele Länder, insbesondere aus der "westlichen" Welt organisiere ich mich auch komplett selbst. Eine gute Planung, die auch den Umgang mit den üblichen Risiken beinhaltet (z.B. kaputtes Handy, ausgefallener Flug, verlorenes Gepäck) ist äußerst wichtig.

In Gegenden, die nicht so gut erschlossen, oder mir einfach sehr fremd sind, greife ich auch gerne zu organisierten Gruppen- und Individualreisen. Bei Anbietern wie z.B. Intrepid oder GAdventures findet man viele Angebote, in denen die Beförderung und der Support enthalten ist, man aber frei entscheiden kann, was man tagsüber oder abends unternimmt.

Es gibt aber auch Aktivitäten und Orte, die man nicht mit vertretbarem Risiko oder Kosten alleine durchführen/besuchen kann. Dazu zählen z.B. Tauchen, mehrtägige Treks in schwierigem Gelände oder auch die Polarregionen. Hier suche ich mir idR Gleichgesinnte auf/für die einzelne Reise oder reise in Ausnahmefällen mit einem guten Freund, auf den ich mich verlassen kann.

Schlussendlich gibt es ab und zu noch soziale Reisen, bei dem es vorwiegend darum geht, miteinander Zeit zu verbringen, z.B. beim mehrtägigen Segeln oder einem LARP. Gerade hier habe ich jedoch in den letzten Jahren viel Drama erlebt und ich achte mittlerweile sehr auf die Personality Traits, das Mindset und die Verläßlichkeit meiner Mitreisenden - da ists dann auch egal wie sehr man sich sonst mag oder wie lange man bereits befreundet ist.Mittlerweile habe ich ca. 50 Länder auf allen Kontinenten besucht und kann das Reisen echt jedem weiterempfehlen. Man sieht nicht nur unglaublich eindrucksvolle Dinge, es erweitert auch das Verständnis für die Welt und den gesellschaftlichen Horizont (wenn man sich auf andere Menschen einläßt) ungemein. Gerade in Zeiten von Social Media Bubbles find ich das noch recht wichtig.

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