vor 6 Jahren
Niwashi
#1
Da in Japan Anstand und Höflichkeit eine zentrale Rolle spielen, möchte ich versuchen dieses Thema hier ein bisschen genauer zu erörtern. Wie man mit Mitmenschen umgeht hängt ja grossenteils mit der Beziehung zu diesen und dem Status zusammen. Ich habe eigentlich sprachlich stets die "Semi-formale Variante" verwendet, bzw. die ersten Formen, die man in der Schule lernt (das hat glaubich einen bestimmten Namen, den weiss ich aber nicht) bei meinen Versuchen mit Japanern zu sprechen. Aber das sprachenspezifische ist ja nur ein kleiner Teil dieses grossen Themas.Ich fange mal an ein paar Alltagssituationen aufzulisten und wenn ich die Musse dazu habe, schreibe ich gleich noch ein klein wenig etwas dazu. Ihr seid natürlich herzlich eingeladen die Liste zu erweitern und Korrekturen anzubringen.Verbeugen
Anstatt einem Händedruck verbeugt man sich bekanntlich in Japan voreinander. Es gibt unterschiedliche Grade einer Verbeugung.
Informal: Beim Vorbeigehen oder zur Begrüssung von Arbeitskollegen, neigt man seinen Oberkörper vom Gesäss aus in einem ca. 15° Winkel kurz nach vorne.
Standard Verbeugung: In Geschäften grüssen die Mitarbeiter ihre Kunden mit einer Verbeugung von 30°, dies sollte man zum Beispiel auch wenn man jemanden besucht. Männer sollten dabei ihre Händen mit geschlossenen Fingern (aber offenen Händen) auf der Seite am Körper haben, Frauen sollten die Hände überkreuzt vorne am Körper haben.
Formale Verbeugung: Bei Zeremonien oder wenn man sich entschuldigt, verbeugt man sich in einem 45° Winkel. Man sollte dabei dem Gegenüber nicht in die Augen schauen.
Essen
So ist es verpöhnt, seine Stäbchen in den Reis zu stecken, wenn man gerade eine Pause macht. Dies wird nämlich in Japan gleichgesetzt mit einem Totenritual, wenn ein Familienangehöriger stirbt. Ebenso sollte man die Stäbchen nich so legen, dass die Spitze auf eine Person zeigt.Was das Essen ansicht angeht: Nie Sushi-Reis in Sojasauce tunken... Wenn überhaupt, soll man kurz das Sushi drehen, so dass der Fisch in Soja dippt. Die Sushimeister haben es am liebsten, wenn man die Speise so geniesst, wie angerichtet. Im Generellen sollte man eigentlich keine Anpassungen am Essen vornehmen. Dies könnten die Köche so interpretieren, als sei ihre Arbeit nicht gut genug. (von Mangofan)Visitenkarten austauschen / Geschenke und Geld geben / annehmen
Wenn man die Visitenkarten nacheinander abgibt, sollte man die Karte mit beiden Händen geben und auch mit beiden Händen in Empfang nehmen. Normalerweise übergibt der Gast seine Karte zuerst.
Wenn man gleichzeitig die Visitenkarten tauscht, sollte man seine Visitenkarte mit der rechten Hand auf den Kartenhalter des Empfängers legen.
Die Karte sollte stets so gehalten werden, dass der Text zum Empfänger gerichtet ist. Wenn man die Karte empfangen hat sollte man sie gleich genau durchlesen. Bei Meetings sollte die Karte nach dem Austausch gut sichtbar auf dem Tisch gelegt und erst eingepackt werden wenn das Meeting vorbei ist.
Betreten eines Hauses oder einer Wohnung
In Japanischen Häusern ist der Eingangsbereich klar vom eigentlichen Wohnbereich abgegrenzt und ist etwas tiefer. Der Gastgeber heisst den Gast willkommen: "Irashai" und sagt Bittesehr (komm herein): "Douzo". Der Gast entschuldigt sich: "Shitsurei shimasu", zieht im Eingangsbereich die Schuhe ab und betritt die Wohnung. Häufig bekommt man dann noch Haussschuhe angeboten, die aber natürlich nur drinnen getragen werden dürfen. Üblicherweise übergibt man dann ein kleines Gastgeschenk (Omiyage).
Achtung: Für die Veranda und vorallem für die Toilette gibt es häufig separate Pantoffeln!
Abfall
Die Schweiz ist ja auch ein eher sauberes Land was den Müll auf dem Boden angeht, aber in Japan fällt es noch viel mehr auf. Lustigerweise gibt es in Japan verglichen mit der Schweiz viel weniger öffentliche Abfallkübel. Aber trotzdem sieht man viel weniger Abfall auf dem Boden - das liegt daran, dass man in Japan seinen Müll von unterwegs nachhause nimmt und dort entsorgt.
Wir sind uns ja Abfalltrennung gewohnt in der Schweiz. In Japan wird dies noch in grösserem Masse umgesetzt und während man hier seinen Abfall nicht zwingend trennen muss, ist es dort standard und gibt gar keine Möglichkeit es nicht zu tun. Petflaschen werden getrennt von den Deckeln, bei Aludosen wird der Verschluss getrennt entsorgt von der Dose und überhaupt werden die verschiedenen Metalldosen getrennt voneinander entsorgt. Als mir in Japan die Entsorgungsstelle meines Wohnblocks gezeigt wurde staunte ich nicht schlecht, wie säuberlich die ca. 7 verschiedenen Materialarten getrennt wurden.Futon / Schlafen
Natürlich gibt es in manchen Haushälten und in den meisten moderneren Hotels normale, bzw. westliche Betten. Wie ihr als Otaku aber sicher wisst, wird in traditionelleren Häusern und Ryokans auf Futons geschlafen. Ich finde das Prinzip super, da man ja tagsüber viel Platz spart. Denn der Futon wird ja erst am Abend aus dem Schrank geholt und am Morgen wieder dort versorgt. Es ist zwar am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, immer vom Boden aufzustehen, wenn man sich normale Betten auf einem hohen Bettrahmen gewohnt ist. Da ich aber gerne harte Matratzen habe, schlief ich auf den Futons immer sehr gut und hatte keinerlei Beschwerden mit dem Rücken.Putzen / Wäsche waschen
Die Japaner sind ja bekanntermassen sehr reinlich und es wird grossen Wert auf Sauberkeit und somit auch Reinigung gelegt. Die Kinder lernen schon früh in der Schule ein Gefühl für das Putzen, denn es gibt dort keine Putzkräfte - die Kinder machen es selber!
Was mich am Anfang sehr irritiert hat, ist dass meine japanischen Mitbewohner JEDEN TAG Wäsche gewaschen haben.Links gehen, links fahrenRespekt und Privilegien für SeniorenBenutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel
Anstatt einem Händedruck verbeugt man sich bekanntlich in Japan voreinander. Es gibt unterschiedliche Grade einer Verbeugung.
Informal: Beim Vorbeigehen oder zur Begrüssung von Arbeitskollegen, neigt man seinen Oberkörper vom Gesäss aus in einem ca. 15° Winkel kurz nach vorne.
Standard Verbeugung: In Geschäften grüssen die Mitarbeiter ihre Kunden mit einer Verbeugung von 30°, dies sollte man zum Beispiel auch wenn man jemanden besucht. Männer sollten dabei ihre Händen mit geschlossenen Fingern (aber offenen Händen) auf der Seite am Körper haben, Frauen sollten die Hände überkreuzt vorne am Körper haben.
Formale Verbeugung: Bei Zeremonien oder wenn man sich entschuldigt, verbeugt man sich in einem 45° Winkel. Man sollte dabei dem Gegenüber nicht in die Augen schauen.
Essen
So ist es verpöhnt, seine Stäbchen in den Reis zu stecken, wenn man gerade eine Pause macht. Dies wird nämlich in Japan gleichgesetzt mit einem Totenritual, wenn ein Familienangehöriger stirbt. Ebenso sollte man die Stäbchen nich so legen, dass die Spitze auf eine Person zeigt.Was das Essen ansicht angeht: Nie Sushi-Reis in Sojasauce tunken... Wenn überhaupt, soll man kurz das Sushi drehen, so dass der Fisch in Soja dippt. Die Sushimeister haben es am liebsten, wenn man die Speise so geniesst, wie angerichtet. Im Generellen sollte man eigentlich keine Anpassungen am Essen vornehmen. Dies könnten die Köche so interpretieren, als sei ihre Arbeit nicht gut genug. (von Mangofan)Visitenkarten austauschen / Geschenke und Geld geben / annehmen
Wenn man die Visitenkarten nacheinander abgibt, sollte man die Karte mit beiden Händen geben und auch mit beiden Händen in Empfang nehmen. Normalerweise übergibt der Gast seine Karte zuerst.
Wenn man gleichzeitig die Visitenkarten tauscht, sollte man seine Visitenkarte mit der rechten Hand auf den Kartenhalter des Empfängers legen.
Die Karte sollte stets so gehalten werden, dass der Text zum Empfänger gerichtet ist. Wenn man die Karte empfangen hat sollte man sie gleich genau durchlesen. Bei Meetings sollte die Karte nach dem Austausch gut sichtbar auf dem Tisch gelegt und erst eingepackt werden wenn das Meeting vorbei ist.
Betreten eines Hauses oder einer Wohnung
In Japanischen Häusern ist der Eingangsbereich klar vom eigentlichen Wohnbereich abgegrenzt und ist etwas tiefer. Der Gastgeber heisst den Gast willkommen: "Irashai" und sagt Bittesehr (komm herein): "Douzo". Der Gast entschuldigt sich: "Shitsurei shimasu", zieht im Eingangsbereich die Schuhe ab und betritt die Wohnung. Häufig bekommt man dann noch Haussschuhe angeboten, die aber natürlich nur drinnen getragen werden dürfen. Üblicherweise übergibt man dann ein kleines Gastgeschenk (Omiyage).
Achtung: Für die Veranda und vorallem für die Toilette gibt es häufig separate Pantoffeln!
Abfall
Die Schweiz ist ja auch ein eher sauberes Land was den Müll auf dem Boden angeht, aber in Japan fällt es noch viel mehr auf. Lustigerweise gibt es in Japan verglichen mit der Schweiz viel weniger öffentliche Abfallkübel. Aber trotzdem sieht man viel weniger Abfall auf dem Boden - das liegt daran, dass man in Japan seinen Müll von unterwegs nachhause nimmt und dort entsorgt.
Wir sind uns ja Abfalltrennung gewohnt in der Schweiz. In Japan wird dies noch in grösserem Masse umgesetzt und während man hier seinen Abfall nicht zwingend trennen muss, ist es dort standard und gibt gar keine Möglichkeit es nicht zu tun. Petflaschen werden getrennt von den Deckeln, bei Aludosen wird der Verschluss getrennt entsorgt von der Dose und überhaupt werden die verschiedenen Metalldosen getrennt voneinander entsorgt. Als mir in Japan die Entsorgungsstelle meines Wohnblocks gezeigt wurde staunte ich nicht schlecht, wie säuberlich die ca. 7 verschiedenen Materialarten getrennt wurden.Futon / Schlafen
Natürlich gibt es in manchen Haushälten und in den meisten moderneren Hotels normale, bzw. westliche Betten. Wie ihr als Otaku aber sicher wisst, wird in traditionelleren Häusern und Ryokans auf Futons geschlafen. Ich finde das Prinzip super, da man ja tagsüber viel Platz spart. Denn der Futon wird ja erst am Abend aus dem Schrank geholt und am Morgen wieder dort versorgt. Es ist zwar am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, immer vom Boden aufzustehen, wenn man sich normale Betten auf einem hohen Bettrahmen gewohnt ist. Da ich aber gerne harte Matratzen habe, schlief ich auf den Futons immer sehr gut und hatte keinerlei Beschwerden mit dem Rücken.Putzen / Wäsche waschen
Die Japaner sind ja bekanntermassen sehr reinlich und es wird grossen Wert auf Sauberkeit und somit auch Reinigung gelegt. Die Kinder lernen schon früh in der Schule ein Gefühl für das Putzen, denn es gibt dort keine Putzkräfte - die Kinder machen es selber!
Was mich am Anfang sehr irritiert hat, ist dass meine japanischen Mitbewohner JEDEN TAG Wäsche gewaschen haben.Links gehen, links fahrenRespekt und Privilegien für SeniorenBenutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel
(editiert vor 6 Jahren)
vor 6 Jahren
MangoFan
#3
Als sogenannter Gaijin (Ausländer), kann man sich glücklicherweise vieles erlauben, was Japaner untereinander nicht gerne sehen. Bezüglich Essen kann ich einiges beitragen.Essen
So ist es verpöhnt, seine Stäbchen in den Reis zu stecken, wenn man gerade eine Pause macht. Dies wird nämlich in Japan gleichgesetzt mit einem Totenritual, wenn ein Familienangehöriger stirbt. Ebenso sollte man die Stäbchen nich so legen, dass die Spitze auf eine Person zeigt.Was das Essen ansicht angeht: Nie Sushi-Reis in Sojasauce tunken... Wenn überhaupt, soll man kurz das Sushi drehen, so dass der Fisch in Soja dippt. Die Sushimeister haben es am liebsten, wenn man die Speise so geniesst, wie angerichtet. Im Generellen sollte man eigentlich keine Anpassungen am Essen vornehmen. Dies könnten die Köche so interpretieren, als sei ihre Arbeit nicht gut genug.
So ist es verpöhnt, seine Stäbchen in den Reis zu stecken, wenn man gerade eine Pause macht. Dies wird nämlich in Japan gleichgesetzt mit einem Totenritual, wenn ein Familienangehöriger stirbt. Ebenso sollte man die Stäbchen nich so legen, dass die Spitze auf eine Person zeigt.Was das Essen ansicht angeht: Nie Sushi-Reis in Sojasauce tunken... Wenn überhaupt, soll man kurz das Sushi drehen, so dass der Fisch in Soja dippt. Die Sushimeister haben es am liebsten, wenn man die Speise so geniesst, wie angerichtet. Im Generellen sollte man eigentlich keine Anpassungen am Essen vornehmen. Dies könnten die Köche so interpretieren, als sei ihre Arbeit nicht gut genug.
vor 6 Jahren
Sky_Raven
#4
unglaublich was man so alles flasch machen kann in japan. das ist ja echt nix für mich. toll find ich wenn man nicht in dem bus oder bahn telefonieren darf. das nervt mich hiertotal. sollte man hier auf machen.
vor 6 Jahren
Shiki
#5
@Sky_Raven Ich glaube dass es doch schon wichtig ist dass das erlaubt ist, könnt ja jeder mögliche Anruf sein oder gar sehr wichtig. Und ist ja möglich dass man mit einer Bahn gleich eine Stunde fahren muss oder so
vor 6 Jahren
Sky_Raven
#6
@Shiki aber in japan klappt es doch auch. dort kann man, wenn man reden muss, in kleine kabienen gehen so wie ich das jetzt gelesen hab.
vor 6 Jahren
Shiki
#7
@Sky_Raven Das könnte schon gut möglich sein, ich hab nur keine Erfahrungen über die Bahnen, weil ich noch nie in Japan war. Ausser dass es ganze Attraktionen sind,malls sind,eigene jingles haben und hohe Technologie haben im Vergleich mit dem Rest der Welt xD
vor 6 Jahren
Niwashi
#8
@Shiki Ja, die Züge sind wirklich toll in Japan! Dort fühlt sich die zweite Klasse an wie die erste Klasse hier <3 ausserdem gibt es in manchen Shinkansen noch Raucherabteile. Wenn ich mich recht erinnere, hab ich glaub auch mal einen Kinderspielplatz im Zug gesehen
vor 6 Jahren
Shiki
#9
@Niwashi Cool, da will ich gleich mal selbst so ein Zug fahren..ehem.. natürlich nicht wegen der Atrraktionen für Kinder xD
vor 6 Jahren
dark_columbia
#10
@Niwashi Wow, vieles davon wusste ich noch nicht o.o@Shiki Spielplätze gibt es zum Teil auch in den Zügen bei uns. Aber die sind halt für kleine Kinder.Betreffend öV in Japan: Soweit ich weiss, darf man in den auch nicht essen und trinken. Den Fehler hab ich mal gemacht, als ich da war.
vor 6 Jahren
Kaa
#12
In den Zügen kommt es etwas drauf an welche. In einem Shinkansen hab ich oft genug Bentos gesehen^^ und selbst gegessen auf der langen Fahrt
vor 6 Jahren
Shiki
#13
@dark_columbia lol, also ein Kinderspielplatz im Zug hab ich bis jetzt noch nie gesehen. Aber hab von der Inneneinrichtung generell schon paar mal gestaunt, und die unterscheidet sich auch immer wieder mal.
Was für jeden anderen normal war, war für mich neu. Abteile mit Tischen in der zweiten Klasse, also z.B so aufgebaut dass er in der Mitte ist, freies W-Lan oder dass man sogar sein Handy auf der Fahrt aufladen kann über Steckdosen.Als eine Person die in einer Kleinstadt gelebt hat und sowieso nicht viel Zug gefahren hat im Leben, ist das sehr cool ^^
Obwohl Olten auch eine Kleinstadt ist, kommt sie mir eher vor wie eine Grosstadt die sehr viel zu bieten hat. So hab ich dann wohl auch gemerkt was für ein Loch meine Stadt teilweise ist xD
Verständlich dass viele Schüler meiner Schule und auch Erwachsene glaubten es sei ein Dorf, obwohl es offiziell eine Stadt ist.
Was für jeden anderen normal war, war für mich neu. Abteile mit Tischen in der zweiten Klasse, also z.B so aufgebaut dass er in der Mitte ist, freies W-Lan oder dass man sogar sein Handy auf der Fahrt aufladen kann über Steckdosen.Als eine Person die in einer Kleinstadt gelebt hat und sowieso nicht viel Zug gefahren hat im Leben, ist das sehr cool ^^
Obwohl Olten auch eine Kleinstadt ist, kommt sie mir eher vor wie eine Grosstadt die sehr viel zu bieten hat. So hab ich dann wohl auch gemerkt was für ein Loch meine Stadt teilweise ist xD
Verständlich dass viele Schüler meiner Schule und auch Erwachsene glaubten es sei ein Dorf, obwohl es offiziell eine Stadt ist.
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