vor 6 Jahren
red
#1
Viele denken ja, dass der Name Akiba eine Abkuerzung fuer Akihabara ist - also halt aus der ersten und der dritten Silbe zusammen gesetzt. Einige denken vielleicht auch, dass Akihabara (秋葉原) fuer Herbst-Laub-Ebene steht, weil die drei Kanji genau das bedeuten. War dort, wo sich heute die Otakus tummeln also mal ein Feld, auf dem man schoenes Herbstlaub (Koyo) betrachten konnte?Naja, letzteres kann ich nicht beantworten, aber der Name kommt nicht daher. Akiba ist auch nicht die Kurzform von Akihabara - oder zumindest setzt sie sich nicht so zusammen, wie die meisten (nicht-Japaner) denken.Alles hat damit begonnen, dass Tokyo vor ueber hundert Jahren oft von Feuern heimgesucht wurde. Eines dieser Feuer hat das heutige Akihabara niedergebrannt, deswegen hat man einen Schrein gebaut und dort einen Feuergott angebeten, um um Schutz zu bitten. Dieser Feuergott, das war Akiba - oder genauer gesagt, Akiba Gongen. Ein Gongen ist eine Inkarnation des Buddha, manifestiert in der Natur. Im Fall von Akiba Gongen ist diese Manifestation der Berg Akiba (in der Niigata Praefektur) - bzw. wohl korrekter Mount Akiha.(Wieso nun Akiha und nicht Akiba? Die Laute "ha" und "ba" stehen sich im Japanischen sehr Nahe, und drum kann es vorkommen, dass mans mal so und mal so ausspricht - oft wechselt es, je nachdem ob (und war) vor der Silbe steht. So aehnlich wie bei Nihon / Nippon - beides heisst Japan, und beides ist gebraeuchlich)Deswegen also Akiba.Und um noch zu klaeren, wieso es denn formell Akihabara heisst, wenn Akiba gar nicht (so wirklich) die Kurzform davon ist, holen wir nochmals etwas aus. Wie wir schon gesagt haben, sind die Silben "ha" und "ba" recht austauschbar. Akihabara koennte also eigentlich auch Akibahara heissen. Aber nein, das sagt niemand. Naja, heutzutage nicht. Frueher wurde die Gegend um den Schrein, in dem der Akiba Gongen verehrt wurde, nicht eindeutig und eher umschreibend benannt. Am gaengigsten schienen die Namen/Umschreibungen Akiba-no-Hara und Akiba-ga-Hara: Spontan wuerde ich das mit meinen limitierten Japanischkenntnissen uebersetzen als "Ebene des Akiba". Der mittlere Teil viel irgendwann weg, und so blieb Akiba-hara bzw. eben Akihabara uebrig.Der Schrein hatte uebrigens urspruenglich einen ganz anderen Namen (Hizuisha - Feuerloescher Schrein), wurde dann aber bald zu Akiba-jinja, also Akiba Schrein, umbenannt. Dieser Schrein existiert bis heute, aber nicht mehr an seinem urspruenglichen Ort - er musste vor langer Zeit einer Bahnstation weichen, ob es sich dabei um die heutige Akihabara Station handelt, ist mir nicht ganz klar, aber vermutlich die erste Iteration davon (als die Bahn von Ueno nach Akihabara verlaengert wurde). Jedenfalls findet ihr den aktuellen Schrein zwischen (Ost-)Ueno und (West-)Asakusa, in Matsugaya: Akiba Shrine. Anders als Akihabara ist der Schrein sehr unscheinbar und klein - ich habe in der Gegend gewohnt und nie zuvor davon gehoert.Witzigerweise gehen Otakus (und non-Otakus) statt zum Akiba Shrine eher zum Kanda Shrine, der sehr viel naeher an Akihabara liegt und viel bedeutender ist. Er richtet auch eines der drei grossen Festivals von Tokyo aus, das Kanda Matsuri.(Der Thread "Bezeichnung der Mitglieder von LittleAkiba" hat mich dazu gebracht, den Namen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen - hoffe irgendjemand fand es interessant).
vor 6 Jahren
leu84
#2
@red Cool! Danke für diese kleine Geschichts- und Japanlektion. Das heisst, beim nächsten Aufenthalt in Tokyo bzw. Akihabara kurz zum Akiba Shrine, bevor man zum Sega-Tower am Bahnhof geht 😉 Das mit den Silben "ha" bzw. "ba" oder Nihon bzw Nippon ist mir in den U-Bahn-Stationen mit den latinisierten Schreibweise aufgefallen. Ein Beispiel, in Osaka gibt es Nihonbashi und in Tokyo Nipponbashi.
vor 6 Jahren
red
#3
@leu84 Der (heutige) Akiba Schrein scheint extrem klein und uninteressant, damit wuerde ich meine Zeit ehrlich gesagt nicht verschwenden. Aber wenn du noch nie beim Kanda Schrein warst, das lohnt sich, wenn man in Akihabara ist und etwas extra Zeit hat.Ja, das mit den untereinander verwandten Silben ist sehr gaengig in der Japanischen Sprache. Da hast halt Grundlaute wie "ha" oder "ho" (alle Silben die mit h, k, s, t oder b beginnen), deren Aussprache sich aendert, wenn sie ein diakritisches Zeichen (wie in Franzoesisch ein accent) erhalten. は = ha, ば = ba, ぱ = pa.
vor 6 Jahren
Kaa
#4
Danke dir für die spannende Erklärung. das hat mich jetzt auf den Kandaschrein gebracht, der doch in dem einen oder anderen Anime sogar vorkommt. Ist für die nächste Reise notiert, die ich hoffe stattfinden kann^^"
Also sind wir hier in Wahrheit kleine Feuergötter XD ganz vereinfacht
Also sind wir hier in Wahrheit kleine Feuergötter XD ganz vereinfacht
vor 6 Jahren
tikey
#5
Das ist wirklich ein sehr informativer Beitrag. Danke dir.Eine kleine Ergänzung meinerseits: Vor ein paar Jahren hatte ich in Japan mal zwei Wotakus auf einem Konzert getroffen und mit ihnen über Idol-Shops in Tokyo unterhalten und kamen dann auf Akiba zu sprechen. Sie meinten, sie würden eigentlich immer Akiba sagen, da es sich flüssiger aussprechen lässt (daher auch, wie red meinte, das ば statt は) und oft Namen abkürzen. Dass es aufgrund einer Gottheit so genannt, hatten sie nicht erwähnt. Aber das ist wohl wie bei uns: Wir hinterfragen ja auch nicht alle Namensursprünge In geschriebener Form wird das Wort btw. jedoch meistens in Katakana, also アキバ statt あきば geschrieben.
Warum? Haben sie mir leider nicht gesagt, oder ich habs vergessen XD. Vielleicht weiss @red den Grund?
Warum? Haben sie mir leider nicht gesagt, oder ich habs vergessen XD. Vielleicht weiss @red den Grund?
vor 6 Jahren
Yuu
#6
Danke für die Super-Info; sollte ich jemals dorthin kommen, werd' ich auf jeden Fall den kleinen, unscheinbaren Akiba Schrein aufsuchen. Ich liebe es solche versteckten, lokalen Kuriositäten ausfindig zu machen, anstelle der Touristenfallen. Oftmals verirrt man sich dabei in den kleinen Seitengassen und stösst dabei auf alles mögliche Interessante, das einem entgangen wäre, hätte man sich an die üblichen, ausgetretenen Wege gehalten.
Einnert mich auch daran, dass ich mein Japanisch hervorkramen und auffrischen müsste...😅
Einnert mich auch daran, dass ich mein Japanisch hervorkramen und auffrischen müsste...😅
vor 6 Jahren
tikey
#7
@Yuu
Ich glaube zwar nicht, dass es der richtige Schrein ist, aber wenn du etwas in einer "kleinen Seitengasse" suchst, schaue mal dieses kurze Video xD
Ich glaube zwar nicht, dass es der richtige Schrein ist, aber wenn du etwas in einer "kleinen Seitengasse" suchst, schaue mal dieses kurze Video xD
vor 6 Jahren
Kaa
#8
Apropos kleine Schreine: Auf dem Weg zum Tokyo Tower gibt es auch einen kleinen putzigen. Als ich hinging, war da keine Menschenseele. Erst beim Weggehen kamen ein paar Angestellte aus der Nähe, die da rauchen gingen XD die lange Treppe hoch war den Besuch aber wert^^
vor 6 Jahren
red
#9
> @tikey In geschriebener Form wird das Wort btw. jedoch meistens in Katakana, also アキバ statt あきば geschrieben.Nicht mit Sicherheit, nein. Ich bin auch nicht ueberzeugt, dass es stimmt, dass Akiba meist in Katakana statt Hiragana geschrieben wird (und dass es sicherlich meist Kanji sind, lassen wir mal aussen vor).Katakana zu nutzen kann diverse Gruende haben. Zum Beispiel nutzt man sie zur Betonung oder als Hervorhebung - aehnlich wie wenn wir etwas kursiv oder fett schreiben. Katakana werden auch gerne benutzt um die "Coolheit" von etwas hervorzuheben - so aehnlich, wie wenn man fuer etwas einen Jugendbegriff oder ein Englisches Wort benutzt. Ich denke Akiba ist heutzutage einfach zu einem Trendviertel fuer die Jungen geworden, und daher wird es heutzutage oft mit Katakana geschrieben.
> Warum? Haben sie mir leider nicht gesagt, oder ich habs vergessen XD. Vielleicht weiss @red den Grund?
> @Yuu Danke für die Super-Info; sollte ich jemals dorthin kommen, werd' ich auf jeden Fall den kleinen, unscheinbaren Akiba Schrein aufsuchen. Ich liebe es solche versteckten, lokalen Kuriositäten ausfindig zu machen, anstelle der Touristenfallen. Oftmals verirrt man sich dabei in den kleinen Seitengassen und stösst dabei auf alles mögliche Interessante, das einem entgangen wäre, hätte man sich an die üblichen, ausgetretenen Wege gehalten.Also kleine, unscheinbare Schreine und Tempel gibt es in Tokyo bzw. ganz Japan natuerlich zig tausende. Sie zu besuchen lohnt sich eher selten. Aber es gibt viele tolle Schreine und Tempel, die keine Touristen sehen - auch kaum japanische Touristen - sondern die nur in der Nachbarschaft und kaum weiter bekannt sind. Manchmal sind auch die eher unscheinbar, aber bieten dann einmal im Jahr ein tolles Nachbarschaftsfestival. Diese zu besuchen lohnt sich IMHO eher, aber finden muss man sie natuerlich.In der Gegend, von der wir sprechen, ist z.B. Shitaya Jinja so einer. Abgesehen vom grossen Tori an der Strasse ist er klein, unscheinbar und kaum sehenswert. Aber wenn wenn sie ihr jaehrliches Matsuri mit den tragbaren Schreinen (Mikoshi) haben, geht da die Post ab. Solche Festivals kann ich nur empfehlen, es gibt sie in ganz Japan, in so gut wie jeder Nachbarschaft.Aber natuerlich will ich dir nicht ausreden den Akiba Jinja zu besuchen, wenn du das willst Vom Touristenpfad abzuweichen kann ich definitiv fast uneingeschraenkt empfehlen, hab so viel tolles gesehen und erlebt.EDIT: insbesondere in Kyoto, der Tempel-/Schreinstadt schlechthin, sind die Tempel/Schreine auf dem typischen Touristenpfad IMHO nicht alle sehenswert. Dafuer gibt es duzende von schoenen und eindrucksvollen Tempeln und Schreinen, die recht wenig Beachtung finden. Es lohnt sich, etwas Zeit zu investieren und das Internet nach Geheimtipps zu durchforsten.
(editiert vor 6 Jahren)
vor 6 Jahren
Yuu
#10
@tikey 😍😍🤗🤗😘Das ist ja super-putzig, danke vielmals! Genau wegen solcher Kleinoden geh' ich gern auf Reisen; wer will schon etwas sehen, was hunderttausend Touris zig-Millionenmal gepostet haben? Nicht, dass ich diese Orte nicht auch gerne besuchen würde, aber ich denke, das eigentliche Wesen der Leute findet sich in ebensolch vergessenen Eckchen der Dörfer und Städte wieder.
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