Psycho-Pass

Psycho-Pass
Psycho-Pass
4.3 / 5.0
Fortschritt
0 / 22 Episoden
Action
Sci-Fi
Police
Psychological
vor 4 Jahren zaeuer
#1
Hobbes watched Psycho-pass and liked it! (beinhaltet spoilers)Kürzlich, habe ich den Anime Psycho-pass geschaut, one might say ‘bingewatched’. Die Welt in Psycho-pass hat mich absolut in ihren Bann gezogen von der Idee der Utopie/Dystopie(decide yourself 😉) zu den Charakteren bis zur graphischen Ausarbeitung der Welt an sich. Der Anime ist nicht zu lang und nicht zu kurz, man hat nie wirklich das Gefühl man wird künstlich hingehalten oder Dinge werden zu schnell abgeschlossen, das Prinzip von «set up and pay off» wird durch den Anime musterhaft gemeistert. Mich hat der philosophische Aspekt des Animes sehr überzeugt und zum nachdenken gebracht, vielleicht hattet Ihr ja ähnliche oder andere Gedanken?

In diesem Forumsbeitrag möchte meine, naive, Interpretation vom Anime, oder zumindest einiger Stellen des Animes, mit der Staatstheorie von Hobbes verknüpfen und kurz einige Dinge hervorheben.Würde das Sibyl-system die ‘Segnung’ von Hobbes bekommen:

Bei Hobbes ist der Begriff der Gerechtigkeit sehr zentral und wird definiert über seine Ideen von (sozialen) Verträgen, wobei ein Vertrag eine «wechselseitige Übertragung von Rechten ist». Ungerecht ist nun die nicht-Einhaltung von Verträgen, wobei gerecht alles ist, was nicht ungerecht ist. Im Anime Psychopass ist der Souverän, unser Leviathan, das Sibyl-system. Wir sehen diese K.I als, zumindest in diesem Abschnitt, eine ‘normale’ Person an, mit welcher man überhaupt Verträge abschliessen kann, ohne weiter drauf einzugehen. Die Menschen in der Psycho-pass Welt haben guten Grund, wie man während dem Anime sieht, es nicht wünschenswert zu finden im Naturzustand zu sein/bleiben. Sie geben also gewisse Rechte auf und übertragen diese auf den Souverän, das Sibyl-system. Das Sibyl-system sorgt, als oberste Priorität, für den Schutz der gesamten Gesellschaft vor inneren Ausreissern, weiter, was ein wichtiger Aspekt ist, tauschen die Bürger ihr Recht auf Selbstbestimmung ein, da das Sibyl-system den Bürgern eine Funktion zuweist. Wir können uns nun die Frage stellen, wie, ob und wer bestraft werden darf? Personen, welche ein Verbrechen begangen haben und einen zu hohen Kriminalkoeffizienten besitzen werden durch das Sibyl-system mit einer Inhaftierung oder der Vernichtung bestraft. Der Trigger für das ist der Ungehorsam bezüglich erlassenen Gesetzen in der Psycho-pass Welt, woraufhin nach Hobbes das Sibyl-system den Verbrecher mit «Körper- oder Geldstrafen oder Schande» bestrafen darf. Ein anderer Fall wäre es, wenn man betrachtet, dass, das Verbrechen einem Vertragsbruch gleichkommt, woraufhin der Verbrecher in den Naturzustand ‘zurückfällt’, wobei er sowieso vernichtet werden darf, da es keine obere Instanz mehr gibt und somit keine Un-/Gerechtigkeit. Eine weiter Frage ist, ob das Sibyl-system Personen inhaftieren oder sogar vernichten darf, welche nichts verbrochen haben, aber einen zu grossen Kriminalkoeffizient haben. Dies ist bereits eine sehr kontroverse Frage, speziell, da dies in vielen heutigen modernen Rechtsstaaten nicht erlaubt ist. Hobbes gibt uns aber eine klare Antwort darauf: «Dem Souverän ist die Gewalt übertragen,[…], wenn kein erlassenes Gesetz besteht danach was seinem Urteil zufolge die Menschen am meisten zum Dienst am Staat ermuntert, oder abschreckt.». Hier sieht man wieder die Deutlichkeit der Macht des Sibyl-systems, da es, vereinfacht gesagt, mit dem Gemeinwohl alle Taten rechtfertigen kann. Psycho-pass gibt uns einen guten Einblick, wie eine Welt aussehen könnte, wenn wir einen so mächtigen Souverän, wie das Sibyl-system haben mit einer Hobbes’schen Staatsform, mit all seinen Vor-/ und Nachteilen. Mit der Einführung der Helme zeigt uns Psycho-pass weiter, wie ein womöglicher Natur-/Kriegszustand aussehen könnte. Der Charakter von Makishima ist natürlich sehr interessant, da es einen blinden Fleck des Systems zeigt, wobei ‘nichts’ gegen dies unternommen werden darf, weder von Sibyl noch von den Bürgern. Man könnte sich hier fragen, ob Makishima überhaupt ein Teil des Vertrages ist, da er keine Rechte abgeben muss oder nur scheinbar abgibt??Weiter interessante Fragen:

• Akane tsumori & Makishima

o Darf Makishima bestraft werden?

o Ist Akane tsumori direkterTeil des Sibly-systems? (vor und nach der Offenbarug)

• Personen mit Helmen

o Dürfen sie bestraft werden

o Ist eine Person mit Helm gleichwertig wie Makishima
vor 4 Jahren Ai-Chan
#2
Nachricht gelöscht, da Benutzer nicht mehr existiert
vor 4 Jahren Kaa
#3
Ja Staffel eins fand ich super, bei Staffel zwei mochte ich eben die Inspektorin schon nicht... vielleicht müsste ich ihr aber nochmals eine Chance geben... die dritte Staffel hab ich gar nicht gesehen^^"neben Kogami und Makishima fand ich aber auch Tsunemori und Ginoza recht gute Charaktere. Am Rest des Teams hatte ich auch meine Freude würde ich behaupten

Eigentlich bin ich kein Freund von diesen dystopischen Serien, aber hin und wieder packt es mich dann doch. Dystopisch ist vielleicht auch übertrieben, aber die ganze Regulierung und der Frage: was wenn dein Verbrechensquotient halt zu sehr ausschlägt, sei es wegen einem Trauma oder wer weiss was?
vor 4 Jahren Ai-Chan
#4
Nachricht gelöscht, da Benutzer nicht mehr existiert
vor 4 Jahren zaeuer
#5
> @NekoAndra Die Leute sind "Aussenseiter" in der Gesellschaft und haben nicht die gleichen Chancen etc.
Ja!, stimme hier absolut zu. Ich glaube auch nicht, dass es nur schwarz und weiss ist, also entweder therapierbar oder nicht therapierbar und die Massnahme die getroffen wird ist dann absolut und unumkehrbar.Ich habe die weiteren Staffeln auch nicht mehr geschaut aus denselben Gründen. Die Charaktere, auch wenn ich sie vlt. zu schnell abgeschrieben habe, haben mich nicht überzeugen können, im Gegenteil empfand ich sie auch eher als nervig und eindimensional konstruiert. Aber so wirklich hat es mich auch nicht gestört, da ich die erste Staffel alles in allem als in sich schlüssig empfand.

(Als Randbemerkung: Ich, persönlich, hätte mir aber noch ein happy(ier) end mit einem Kuss zwischen Tsunemori Akane und Kogami gewünscht, aber man kann auch nicht alles haben) ;p.
vor 4 Jahren CaitSith
#6
Danke für den anregenden Thread! Psycho-Pass wollte ich seit einiger Zeit schon erneut ansehen, es hat sich nämlich viel getan seit 2012 in den Bereichen KI und Big Data, nicht nur in Bezug auf technologische und gesellschaftliche Aspekte, sondern auch auf einer persönlichen Ebene, da ich inzwischen selbst viel mit Daten und gelegentlich auch mit maschinellem Lernen arbeite.Ich habe gestern Abend die ersten beiden Episoden erneut geschaut, und für mich zeichnet der Anime zweifelsohne ein wirklich krass dystopisches System. Die Autoren sind da auch ziemlich offen, was ihre Einflüsse angeht: Philip K. Dick und klassische dystopische Filme wie Blade Runner, Gattaca, Brazil und Minority Report.Im Gegensatz zu etwa 1984 zeichnet Psycho-Pass jedoch eine deutlich schlauere Dystopie, da sie viel subtiler funktioniert (zumindest aus "diegetischer" Sicht—für uns Aussenstehende hingegen dürfte die Dystopie relativ leicht zu entlarven sein). Ein dystopisches System kündigt sich selbst nicht als Dystopie an, sondern setzt (in der Regel) alles daran, herkömmliche Bürger*innen davon zu überzeugen, dass sie frei sind und im besten System aller Zeiten leben. So auch die generelle Stimmung im vom Sybil-System kontrollierten Japan. Eines Tages verschwindet vielleicht plötzlich ein Nachbar, der mal ein paar regimekritische Kommentare von sich gegeben hat—am besten macht man sich darüber aber keine Gedanken, denn es gibt ja coole Hologramm-Technologie, mit der man sich schicke Mode im Handumdrehen an den Leib zaubern kann—was für eine Zeit, am Leben zu sein!Eine interessante Frage ist für mich, inwiefern sich unsere Welt bereits mit der fiktiven Dystopie überschneidet. Die Antwort darauf ist wohl eher besorgniserregend, denn prognostizierende Algorithmen zur "Verbrechensbekämpfung" sind bereits Realität, siehe zum Beispiel PredPol in den USA. Dabei werden jedoch (noch) nicht einzelne Individuen ins Visier genommen, sondern nach kriminellen Hotspots gesucht. Das Ergebnis ist eine überhöhte polizeiliche Überwachung von ärmeren Vierteln, welche dadurch nur noch weiter in den Abgrund getrieben werden. Auch wenn das vermeintliche Ziel solcher Software die Prävention von gewalttätigen Straftaten ist, führt die erhöhte polizeiliche Präsenz unweigerlich auch zu einer erhöhten Festnahme für kleinere Vergehen. Dadurch entsteht ein Rückkopplungs-Effekt: der Algorithmus wird mit mehr Daten aus denselben Hotspots gefüttert und sieht sich in seinen Prophezeiungen bestätigt; es folgt mehr Polizeiüberwachung und mehr junge Menschen (meist aus Minderheiten), die für geringfügigen Drogenbesitz weggesperrt werden. Familien werden zerstört, Zukunftsperspektiven dank Einzug ins Strafregister ebenso. Das Polizeiamt warnt vor steigenden Kriminalitätsquoten, kriegt weitere Millionen an Steuergeldern; Schulen hingegen bleiben unterfinanziert, die Infrastruktur zerbröckelt seit Jahrzehnten, das Gesundheitswesen ohnehin unerschwinglich. Eine ganze Kette an Kollateralschäden hält das Viertel in einem Teufelskreis gefangen, Armut und Kriminalität gedeihen.Episode 1 stellt einen solchen Teufelskreis auf psychologischer Ebene dar: Die psychische Belastung eines überdurchschnittlich hohen Kriminalkoeffizienten führt zu Paranoia und dadurch zu einer weiteren Steigerung des Koeffizienten. Es nimmt mich jedoch wunder, inwiefern die Serie auch auf die oben besprochenen, soziologischen Aspekte eingehen wird, ich erinnere mich nämlich nur noch vage an den Rest der Handlung.Ach ja, und Ling Tosite Sigure ist natürlich eine der geilsten Post-Hardcore-Bands überhaupt, Abnormalize fand ich schon immer Hammer 😁
vor 4 Jahren zaeuer
#7
In 1984, war es fast schon eine Prämisse, dass es sich um Dystopie handelt (Zwangsanlässe,Überwachung, Kontrolle der Sprache->Kontrolle des Denkens). Ich bin aber nicht sicher, ob/wie stark in der Psycho-pass Welt überhaupt eine Dystopie herrscht tbh. Ich finde es ist erst als sehr kritisch anzusehen, wenn das System/Sibyl-System systematisch anders denkende Menschen bestraft** und/oder das Gedankengut per se versucht einzuschränken, hier kann man sich natürlich darüber streiten, erstens wie genau diese Dinge korrelieren mit dem Kriminalkoeffizient [berechnet vom Sybil-Systems (was vlt in gewissen Fällen parteiisch ist)], zweitens wie stark das "Denken" der Menschen kontrolliert/geleitet wird. Im 'current affairs' Artikel zum dritten Reich wird die schleichende Leitung der Gedanken schön beschrieben: "The burden of self-deception has grown too heavy, and some minor incident, in my case my little boy, hardly more than a baby, saying ‘Jewish swine,’[...]", dasselbe passiert eigentlich in der Psycho-pass Welt zu einem gewissen Grad, man schaue auf das Umfeld von Tsunemori Akane, wo die meisten das Sybil-System würdigen und respektieren und sich nicht mehr all zu viele Gedanken machen, ob es moralisch überhaupt gut ist.Wenn aber 1984 eine Dystopie ist, dann ist Winston unser Held (moralisch gut), wenn man dem zustimmen würde,

müsste man dann auch zustimmen, dass Makishima ein Held ist (jetzt mal invariant von dem was am Schluss passiert und wie das NN tatsächlich aufgebaut ist)?**es war nicht vorgesehen Makishima zu bestrafen, der andere Todschlag durch Sybil direkt würde ich Selbsverteidigung zuschreiben.ps: danke für die sources und den Stolperer über Diegetisch pps: Beide intros haben mich sehr überzeugt. Das zweite fand ich perfekt, passte Textmässig war catchy und gut gesungen. enjoy
vor 4 Jahren CaitSith
#9
@zaeuerJep, auch den zweiten OP fand ich immer schon geil! Auch wenn ich ne Serie schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe, ein gutes OP besuche ich immer gerne wieder.So, jetzt bei Episode 5. Bevor ich auf Makishima näher eingehen kann, sollte ich erst meinen Rewatch zu Ende bringen. Stattdessen hier einige Punkte, weshalb ich die Serie als dystopisches Werk einordne:-Ein Überwachungsstaat sondergleichen: Das Sybil-System dürfte der feuchte Traum aller Geheimdienste, Tech-Konzerne und Einheitsparteien auf Erden sein. Bereits in dieser Welt sieht sich unsere Privatsphäre durch stetig fortschreitende Digitalisierung und Kommodifizierung zunehmend bedroht, allerdings bleibt uns zumindest ein Rückzugsort, wo unsere Privatsphäre unantastbar bleibt: unsere eigenen Gedanken und Gefühle. Nicht so im vom Sybil-System kontrollierten Japan: Jederzeit* wird dein inneres Leben überwacht. Eines Morgens stehst du mal auf dem falschen Fuss auf, schon musst du dich irgendwo im Hinterkopf wundern, ob nicht bald die Polizei an deiner Türe klopft. Solche Gedanken musst du dann aber schnell wieder verdrängen, sonst gerätst du noch in einen paranoiden Teufelskreis, der deinen Koeffizienten dann wirklich in die Höhe schnellen lässt. Also: Rasch ein paar KI-verordnete Beruhigungsmittel schlucken, (zumindest innerlich) ein frommes Lächeln aufsetzten, und schon bist du wieder ein schöner, produktiver Bürger!*Auch wenn dein Koeffizient nicht ununterbrochen aktualisiert wird, genügt es, dass dein Koeffizient zu jeder Zeit unbemerkt gemessen werden kann, um auf psychologischer Ebene den gleichen Effekt zu erzielen: Das System fungiert als Panopticon.-Willkürliche Tötungen ohne Gerichtsverfahren: Die Dominator schalten bei zu hohen Kriminalkoeffizienten automatisch auf den tödlichen Modus um, auch wenn das Ziel keine unmittelbare Gefahr darstellt. Zum Beispiel in Episode 5: Der gesuchte Täter ist unbewaffnet, schwerverwundet, zahlenmässig unterlegen; trotz seiner Hysterie hätte man ihn also auch festnehmen/betäuben können, anstelle ihn in tausend Stücke zu zerfetzten. Ganz zu schweigen vom Missbrauchsopfer in Episode 1! Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt:-Reduktion komplexer menschlicher Sachverhalte auf eine einzige, nebulöse Statistik: Wie die erste Episode bereits klarstellt, versteht ein solcher Kriminalkoeffizient nicht mal den naheliegendsten menschlichen Kontext: Etwa, dass der Stresswert einer traumatisierten Person (welcher zudem noch ein Dominator ins Gesicht gefuchtelt wird), temporär in die Höhe schiessen kann, das aber noch lange kein Grund für unmittelbare Exekution auf brutalste Art ist (einen offenen Sarg können die Angehörigen bei dem, was von der Leiche noch übrig bleibt, gleich vergessen). Gott sei Dank für Akanes Intervention! Übrigens, ich glaube, dieser Punkt ist einer der brennendsten in Bezug auf unsere eigene Welt, da in der Tat immer mehr folgenschwere Entscheidungsprozesse von unpersönlichen Algorithmen übernommen werden.-Falsche Prioritäten bei der Verbrechensbekämpfung: Das Sybil-System basiert im Grunde genommen auf Präemption statt Prävention: «Latente Kriminelle» (in den meisten Fällen schlicht ein furchtbarer Dysphemismus für Menschen, die unter Stress leiden) werden ohne kriminelle Tat abgeführt oder hingerichtet. Prävention hingegen heisst in erster Linie, die materiellen und sozialen Bedürfnisse der Menschen abzudecken. In einer gerechten, emanzipierten, materiell abgesicherten Gesellschaft gibt es keinen systematischen Grund für Kriminalität: Was bleibt ist ein Minimum an stochastischen Verbrechen (auch im Sybil-dominierten Japan ist das nicht komplett auszulöschen), dafür müssen wir jedoch nicht unser Recht auf ein privates Innenleben an eine mordlustige, autoritäre Instanz aufopfern.So, es gibt noch einiges mehr, was man nur schon zu diesen ersten 5 Episoden zu diesem Thema schreiben könnte, aber ich glaube, das genügt fürs Erste. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt, wie diesmal meine Reaktion auf Makishima fallen wird!

Du musst eingeloggt sein, um antworten zu können.

Login
© 2026 LittleAkiba. Alle Rechte vorbehalten.