Violet Evergarden: Der Film

Violet Evergarden: Der Film
Violet Evergarden: Der Film
4.7 / 5.0
Fortschritt
0 / 1 Episoden
Drama
Fantasy
Slice of Life
vor 4 Jahren CaitSith
#1
Bin ja eigentlich grosser Fan von KyoAni, allerdings muss ich gestehen, dass mich dieser Film nicht ganz mitnehmen konnte.

Auf sentimentaler Ebene war der Film etwas Overkill für mich. Die durch Kriegstrauma und verschollene Liebhaber definierte Haupthandlung hatte scheinbar nicht genügend Potenzial für Tränen und Pathos, da musste noch parallel dazu die Tragödie eines todkranken kleinen Jungen erzählt werden (und das Ganze ist dann noch umgeben von einer Rahmenhandlung einer kürzlich verstorbenen Grossmutter). Dementsprechend ist die emotionale Intensität des Films ist für lange Abschnitte ohne Zurückhaltung aufs Maximum hochgedreht und auch die Charaktere brechen im langgezogenen Finale alle zwei Minuten sehr heftig in Tränen aus, was bei mir jedoch eher erschöpfend als ergreifend wirkt.Ich bin ja nicht prinzipiell gegen jegliche Form von Sentimentalität oder Melodrama, z. B. hat Miyazaki’s The Wind Rises für mich sehr gut funktioniert. Auch dieser Film beinhaltet Krieg, Romanze und fatale Erkrankungen, allerdings hat Miyazaki mMn um Welten mehr Feingefühl als es bei Evergarden-Regisseur Taichi Ishidate hier zu erkennen ist. Trotz diverser Traumsequenzen erscheint mir Miyazaki’s Inszenierung viel ungezwungener, bodenständiger und authentischer; erst im allerletzten Moment schaltet der Film richtig ins Sentimentale um, was er sich zu diesem Zeitpunkt aber auch verdient hat und mich dementsprechend auch emotional mitnehmen konnte. Generell bevorzuge ich Filme, die mit Geduld und Zielstrebigkeit auf einen dramatischen Höhepunkt zusteuern und dann auch wissen, wie man die Emotionen wieder etwas runterfährt. Ohne Balance und Zurückhaltung bleibt eben wenig Zeit zum Durchatmen oder Reflektieren.Zudem finde ich die Dynamik zwischen Gilbert und Violet auch etwas creepy, denn laut Wiki war Violet gerade mal 14 Jahre alt und Gilbert ganze 25, als die Schlüsselszene am Ende des Krieges stattgefunden hat. Gilbert hat ja ursprünglich eine Mentor-Funktion (wenn nicht sogar eine quasi-Vaterrolle) für Violet übernommen; dass er also einer ohnehin schon traumatisierten Minderjährigen seine Liebeserklärung um die Ohren hauen musste, das Ganze noch als zutiefst romantisch verkauft wird und schlussendlich daraus eine happily-ever-after Beziehung entsteht, gibt mir doch etwas zu bedenken. Gilbert empfand ich insgesamt als sehr fragwürdige Figur: Einfach mal den gesamten Film im Selbstmitleid wälzen, wie ein Kindskopf die Violet bei anziehendem Sturm vor der Türe stehen lassen, und dann im letzten Moment doch noch den grossen Helden spielen dürfen, der die heulende Violet in den Arm nehmen darf.Interessanteste Entwicklung des Films war für mich, als Violet zum Schluss kam, dass ihr Versprechen gegenüber dem Jungen ihr wichtiger war als Gilbert wiederzusehen, was eigentlich von neu gewonnener Reife zeugen sollte. Allerdings wird dieser Entschluss durch Umstände des Plots untergraben, und so kann Violet ohne jegliche Aufopferung sowohl ihr Versprechen (indirekt) einhalten als auch mit Gilbert wieder zusammenkommen. Stellt zwar für Iris einen schönen Moment im Rampenlicht dar, aber bezogen auf die Charakterentwicklung der eigentlichen Protagonistin des Films fällt mir dazu nur noch das englische Sprichwort ein: You can’t have your cake and eat it too.Nun gut, ich habe dem Film jetzt doch grosszügige drei Sterne verliehen, auf optischer Ebene bewegt er sich eben KyoAni entsprechend auf sehr hohem Niveau, was insbesondere auf der Kinoleinwand einen nicht unbedeutenden Reiz mit sich bringt. Ausserdem würde ich es ohnehin nur schwer übers Herz bringen, diesem Film eine miserable Bewertung zu geben, dazu hat der Brandanschlag von 2019 bei mir eine zu tiefe seelische Narbe hinterlassen. Und dem Schluchzen meiner Mit-Kinogänger*innen nach hat der Film bei anderen deutlich besser funktioniert als bei mir, find ich niedlich und möchte ich auch niemandem absprechen.
vor 4 Jahren Zody
#2
Ich als Violet Evergarden Fangirl finde diesen neuen Movie sogar noch besser als den letzten Movie "Violet Evergarden und das Band der Freundschaft".

Vorallem bei einigen Sachen trifft sogar mich persönlich zu und dieses Gefühl, wie Violet oder diesen kranken Jungen.Darum mag ich der Film umso mehr.

Zwar regt mich etwas auf, dass es sehr viele Rückblicke von der Serie gezeigt wurden, ist aber wichtig für Leute, die die Serie noch nie angeschaut haben.

Oder die dient als Auffrischung gut.Die Nachkriegzeit und Anfang der Telefonkommunikationszeitalter finde ich sehr gut dargestellt.

Die Angst von der Veränderung, Existenz etc. Das erinnert uns, dass es nicht selbstverständlich ist, die Sachen zu haben, die jetzt für uns "normal" sind.

Wie z.B. das Telefon. Die Schreiberinnen von AKORA bangen um ihre Jobs, wenn alle lesen und schreiben können. Und mit Telefon kommen die Nachrichten noch schneller ans Ziel.

Die Angst um die Existenz kann man gut nachvollziehen und man muss trotzdem die moderne Zeit anpassen.Ich erinnere mich an der Zeit, dass die Post angst hatten, weniger Post auszutragen, weil die E-Mail immer mehr kamen. Und Online-Shops waren damals noch nicht so weit verbreitet.

Die diskutieren sogar, ob E-Mails Gebührenpflichtig sein sollen etc. Es war Anfangs 90er Jahren. Vielleicht erinnert ihr noch etwas daran.Violet hat den kranken Jungen ein Versprechen gegeben und sie tut alles, um dieses Versprechen einzuhalten. Ob Violet dies wirklich als Versprechen ansieht, oder als Befehl von Kunde?

Ich denke schon, dass Violet nach all diesen Jahren sich entwickelt hat und das Versprechen als Versprechen ansieht und nicht als ein Befehl.Der beste Teil, der mich persönlich betrifft ist dort, wo Violet vor die geschlossene Tür von Gils Haus steht und mit ihm redet.

Als meine damalige Verlobte in 2002 starbt, hatte ich eine lange Zeit nicht glauben wollen, dass sie wirklich tot war.

Jahre lang habe ich das Gefühl, ich werde sie wiedersehen. Bis ich später dies ablegen konnte.

Aber Violet nicht. Für sie lebt gil nach all diesen Jahren immer noch.

Und als sie endlich Gil treffen kann - nur eine Tür dazwischen - will Gil sie nicht sehen.

Zwar sehr traurig, aber wäre ich Violet und meine Verlobte mich nicht sehen will, hätte ich vielleicht auch ihre Entscheidung akzeptiert und gegangen.

Zumindest weiss ich, dass sie noch am Leben ist. Zumindest kann ich ihre Stimme nochmal hören. Das genügt. Das ist ein Beweis, dass sie noch lebt.

Violet macht auch diese Entscheidung und schreibt noch einen Brief dazu.Sorry. Zuviel über mich.

Generell ist dieser Film für mich sehr gut gelungen.

Aber leider, es ist ei Happy End und das bedeutet wahrscheinlich, dass in Zukunft keine neuen Movies von Violet Evergarden mehr geben wird.

Aber das ist auch nicht so schlimm. Lieber erfolgreich abschliessen, statt weiter zu machen und womöglich noch verschlechtern.

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